#RoadtripwithNicki – Mit dem Nachtzug nach Stockholm – Hauptstadt Schwedens –

Mit dem Zug den Norden Europas zu entdecken, hat seinen ganz eigenen Reiz. Entspannt sitzen die Weltenbummler in der Bahn, während draußen die wunderschönen Landschaften Skandinaviens vorbeiziehen.

Was wir oftmals zu vergessen scheinen ist, die Strecke als das Ziel der Reise zu sehen. Der Zug entschleunigt nicht nur, er bietet auch die Möglichkeit auf dem Weg Landschaft und Architektur zu bestaunen. Mich persönlich interessiert die Klimadebatte in diesem Zusammenhang nicht, doch stimme ich mit dem Grundsatz überein, dass Laufen, das Fahrrad und der Zug uns die Umgebung mehr wertzuschätzen scheint. Das ist gerade in unserem Zeitalter, in welchem immer alles schneller und kurzlebiger zu sein scheint, etwas das ich sehr begrüße. Sinnbildlich gesprochen scheint das Flugzeug ebenfalls sehr zu unserer heutigen Mentalität der menschlichen Erhabenheit über Flora und Fauna zu sprechen. Ich sehe die Mobilität zu Land und See als eine Art Erdung im Gegensatz zum Fliegen.

Das absolute Highlight auf dieser Zugreise war aber die Fahrt über die Öresund Brücke. Dazu später etwas mehr.

Ich starte so gegen Mitternacht ab Hamburg nach Stockholm mit dem Zug. Es geht zur dänischen Grenze. Dann vom Festland über den großen Belt nach Kopenhagen, über die Öresund Brücke nach Schweden über Malmö. Mein Ziel ist es weiter nach Stockholm zu reisen. Für mich ist es das erste Mal, dass ich überhaupt mit dem Zug nach Schweden reise. Normalerweise nehme ich immer den Seeweg, und zwar mit dem Segelboot. Man kann zwar auch tagsüber mit der Deutschen Bahn reisen, aber da müsste ich ziemlich oft umsteigen und wer weiß, ob ich dann auch immer den Anschlusszug bekomme, daher habe ich mich für die längere und stressfreiere Art zu reisen entschieden. Mit dem Nachzug in den hohen Norden. Ich bin so gespannt, was mich auf dieser Reise so erwartet.

Mit dem Nachtzug fahre ich insgesamt 1.100 Kilometer in 14 Stunden. Okay, das ist zeitmäßig fast 10-mal länger als mit dem Flugzeug, aber auch umweltfreundlicher. Genau genommen beträgt mein CO2-Fußabdruck auf dieser Strecke gerade mal 6g, weil dieser Zug auch mit Ökostrom betrieben wird, mit dem Flugzeug wäre das ca. 250g. Das wollte ich jetzt trotzdem einmal erwähnt haben.

Gut, der Zug, mit dem ich fahre, scheint ein älteres Model zu sein und das Abteil, das ich gebucht habe, ist jetzt nicht gerade die Suite im Ritz Carlton, aber es ist sauber und ordentlich, sehr bodenständig halt. Da ich allein reise, habe ich mir den Luxus gegönnt und das ganze Abteil für mich allein reserviert. Irgendwie bin ich auch dem Alter heraus, wo ich mir mit fremden Menschen ein Zimmer teile. Zudem fühle ich mich als Alleinreisende auch sicherer, ich meine, wer kennt nicht das Buch „Mord im Orient Express“. So finde ich das viel besser, ich habe meine Ruhe und es gibt auch niemanden, der mich mit seinem Schnarchen wachhält.

Jedes Abteil hat 6 Liegen, die sind alle schon für die Nacht vorbereitet. Auf jeder Liege liegt Bettzeug und frische Bettwäsche. Sein Bett muss man allein beziehen und da ich allein im Abteil bin, habe ich natürlich den Vorteil, dass ich mir aussuchen kann, wo ich schlafe. Ich suche mir eine Liege aus und nehme die Bettwäsche und bereite mir mein Bett vor.

Es ist zwar schon spät, aber irgendwie bin ich noch gar nicht müde. Also beschloss ich, mich ein wenig im Zug umzusehen und zu gucken, was die anderen Reisenden so machen. Gleich auf dem Gang bin ich mit einer Frau ins Gespräch gekommen, die noch viel weiter als nach Stockholm reist. Und zwar will die bis zum Polarkreis, um dort als Hofwächterin zu arbeiten. Sie wird dort für eine Weile auf einen Bauernhof und die Tiere aufpassen, während die Eigentümer selbst auf Reisen sind. Das war ungemein spannend ihr zu zuhören, wie sie mir über ihr Vorhaben erzählte.

Mittlerweile war es schon 2 Uhr morgens und ich merkte, dass ich jetzt doch müde werde. Ich habe mich für das nette Gespräch bei der Frau bedankt und mich in mein Abteil zurückgezogen. Während ich mich bettgehfertig machte, klopfte es an meiner Abteiltür und die Grenzpolizei wollte die Pässe der Passagiere kontrollieren, da wir soeben an der Deutsch-Dänischen Grenze angekommen sind. Die Kontrolle ging aber ganz schnell und ich konnte mich endlich in mein Bett einkuscheln. Ich bin dann auch sofort eingeschlafen, bis ich von einem hellen Lichtstrahl und von Möwengeschrei wach geworden bin.

Es ist mittlerweile 6 Uhr morgens und wir haben Dänemark hinter uns gelassen und fahren gerade über die Öresund Brücke. Der Ausblick aus dem Fenster ist atemberaubend, überall Meer wohin das Auge reicht. Durch mein Abteilfenster sehe ich schon die ersten Leute mit ihrem Kaffee vorbeilaufen. Ich habe Glück, der Servicewagen ist gleich bei mir nebenan. Ich habe mich frisch gemacht und angezogen und bin nach nebenan und habe mir auch einen frischaufgebrühten Kaffee geholt.  Während mir das Frühstück in mein Abteil gebracht wurde, sehe ich, dass wir in den Bahnhof von Malmö einfahren. Hier steigen sehr viele Leute aus und hier werden auch ein Teil der Wagen ausgewechselt, und zwar von Liegewagen in Sitzwagen. Der Ganze Aufenthalt dauert 2 Stunden.

Einige sind ausgestiegen und vertreten sich ein wenig die Beine, andere wiederum machen ein paar Stretch Übungen am Bahnsteig. Das ist eigentlich eine gute Idee und nach dem ich mein Kaffee ausgetrunken und mein kleines Frühstück aufgegessen habe, ging ich auch hinaus auf den Bahnsteig. Und ich bin dann mal zu den beiden Frauen rübergegangen, wo sich herausstellte, dass die beiden deutsche Auswanderinnen seien und in Stockholm ein eignes Yoga-Studio betreiben. Sofort haben die mich dazu animiert mitzumachen. Und so kam es dazu, dass ich auf dem Bahnsteig von Malmö Yoga gemacht habe. Und das hat gutgetan, ich habe zwar gut geschlafen, aber die Liege in der Bahn ist nicht gerade eine orthopädisch hochwertige Matratze und ich habe gemerkt, dass mir die Knochen ein wenig weh taten, da kam mir das Yoga gerade recht.

Nach einer Weile ging es dann endlich weiter und wir fuhren mit dem Zug aus Malmö raus und nach Stockholm. Bis Malmö war der Zug ziemlich ausgebucht, jetzt wurden mehrere Sitzwagen angehängt und es gab ein paar freie Sitzplätze, daher suchte ich mir eine ruhige Ecke, wo ich mich hinsetzen konnte. Ich muss sagen, ich finde es sehr schön, dass wir auch tagsüber so lang unterwegs sind und rausschauen können. Es ist so eine superschöne Strecke, so viel Grün, viele Seen und Wälder. Wer hätte das gedacht, dass ein Partygirl, wie ich, sich für sowas begeistern kann. Wer früher mit mir den Sonnenaufgang angucken wollte, den habe ich einen Vogel gezeigt und ausgelacht. Bei Sonnenaufgang bin ich sonst im Partydress erst nach Hause gegangen.

Wie ich aber gerade erfahren haben, in Malmö ist ein Pub dazugekommen. Das soll wohl das absolute Highlight im Zug sein. Dort kann man was trinken, Leute treffen und auch eine Kleinigkeit essen. Da ich jetzt etwas hungrig bin, habe ich mich entschieden hinzugehen. Der Pub war erstaunlicherweise voll, aber ich habe noch bei jemanden am Tisch ein Plätzchen bekommen. Ich habe mir einen kleinen Salat und etwas zu trinken bestellt. Bezahlen kannst du im Übrigen bargeldlos, wie es halt sowieso Standard ist in Skandinavien. Du brauchst kein Bargeld wechseln in Schwedische Kronen oder so. In Zeiten der Digitalisierung ist das eh überholt.

Während ich auf mein Essen wartete, bin ich natürlich mit meinem Sitznachbarn ins Gespräch gekommen, der mir erzählte, dass er bis zum Nordkap reist und von da immer an der Küste zu Fuß bis nach Trondheim läuft. Als ich ihn fragte, wie weit das ist. Sagte er nur, so 2000 Kilometer. Ich hätte mich fast an meinem Salatblatt verschluckt, vor lauter erstaunen. Es ist schon bemerkenswert, was man so für Leute im Zug trifft.

Plötzlich war es wieder Zeit in mein Abteil zurückzugehen und meine Sachen zusammen zu packen, weil wir in Kürze in Stockholm ankommen. Bei schönstem Sonnenschein und blauen Himmel trete ich aus dem Bahnhofsgebäude hinaus, trotz aufkommender Müdigkeit freue ich mich hier zu sein und kann es kaum erwarten die Stadt gleich ein wenig zu erkunden. Ich war schon zwar schon öfters hier, daher ist mir hier alles nicht allzu fremd und trotzdem entdecke ich immer wieder Neues in Stockholm.

MEIN FAZIT: Die Fahrt in dem Zug war großartig und ich würde das jederzeit wieder machen. Vor allem hat mir die Strecke tagsüber angetan. Die Aussicht aus dem Zugfenster war einfach ein Traum! Ich habe bereits eine weitere Reise im Kopf. Und zwar fährt dieser Zug im Winter auch bis nach Lappland. Ich könnte mir vorstellen, dass dies auch wunderschön sein würde, wenn man so an den nordischen Schneelandschaften entlangfährt. Aber es gibt auch andere Strecken in Europa, die man mit dem Nachtzug machen kann, und zwar in die Metropolen nach Paris oder Rom, die man ja sonst mit dem Flugzeug zurücklegt. Warum nicht mit dem Zug? Und das Reisen mit dem Auto ist für mich sowieso keine Alternative mehr. Mit dem Auto ist man unflexibler als manch einer denkt, man ist zum einen so ausgeschlossen von der Welt und zum anderen steht es am Zielort oft eh nur in der überteuerten Hotelgarage. Ich finde, der Nachtzug ist durchaus eine sehr schöne Alternative zum Reisen.

In diesem Sinne!

Stockholm is my happy place!

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