Im Gegensatz zu Frankreich ist es in Deutschland sehr schwer Freunde zu finden. Ich weiß nicht woran das liegt und ich bin jetzt wirklich keine Person, die als Mauerblümchen in der Ecke sitzt. Ganz im Gegenteil, ich gehe gerne auf Leute zu. Und ich reise sehr viel und habe auch viele Jahre im Ausland gelebt und habe dabei unglaublich viele tolle Menschen kennen gelernt und mit einigen bin ich bereits schon mehr als zwei Jahrzehnte befreundet.
Meine Freunde in Deutschland habe ich schon seit dem Kindergarten, was in hier unüblich ist, denn irgendwann gehen solche Freundschaften spätestens, wenn man auf weiterführende Schulen kommt in die Brüche. Daher war ich ganz überrascht, dass das in Frankreich ganz normal zu sein scheint, dass man Freunde noch aus Kindertagen bis ins Erwachsenenalter hat.
Mir sind gute Freundschaften wichtig, daher pflege ich sie. Was Freundschaften angeht, bin ich extrem treu. Ich glaube, dass muss ich wohl aus Frankreich gelernt haben, wo ich als Kleinkind eine Weile verbracht habe. Wo ich aber richtig Deutsch bin, ich gehe lieber am Wochenende auf die Piste, denn wenn ich unter der Woche arbeiten gehen muss, bin ich lieber ausgeschlafen, als verkatert am Arbeitsplatz zu sitzen. Und wenn mir irgendjemand damit kommt: „Wer feiern kann, kann am nächsten Tag auch arbeiten!“ – Ähm, nö, kann man nicht. Derjenige hat dann wohl noch nie in seinem Leben so richtig Party gemacht. Wenn ich morgens von einer Party komme, dann brauche ich erst Frühstück und danach eine Mütze voll Schlaf und kann dann nicht arbeiten gehen. Sorry.
Ansonsten ist es auch eine Frage des Alters, ob man schnell neue Leute kennenlernt. Wenn man jünger ist, ist man ja automatisch unbeschwerter. Da gibt man schon mal schneller die eigne Telefonnummer weiter. Da habe ich mich noch nie geziert, wie es früher andere Mädchen in meinem Alter gemacht haben. Diese ewige Flirt- und Dating Spiel habe ich nie verstanden, war mir auch immer zu anstrengend. Wenn mich ein süßer Junge nach meiner Nummer gefragt habe, dann habe ich sie ihm gegeben. Wie soll man denn sonst jemanden die Chance geben, mich kennen zu lernen? In Frankreich habe ich so aufregende Liebschaften gehabt und sehr nette Freundschaften geschlossen. Was mich wundert, die Franzosen schreiben gerne ganz klassisch Briefe, ich habe von keinem anderen so schönen Briefe erhalten, wie von den Menschen in Frankreich. Manchmal sind die Briefe auch über 8 Seiten lang. Gerade wenn man weiter weg voneinander wohnt, finde ich das sehr schön, besser als ein Telefonat. Und so ein Brief ist in der heutigen schnelllebigen Social-Media-Welt schon etwas Besonderes.
Um sich mit Deutschen zu treffen, muss du dich zu einer festen Zeit verabreden – und zwar egal, wo du dich mit denen triffst (wir gelten ja nicht umsonst als Kalendervolk). Zum Teil verabredet man sich sogar zum Telefonieren. – Spontanität ist nicht gerade die stechende Eigenschaft des Deutschen. In Frankreich feiert man oft spontan eine Party – wer da war, schloss sich einfach an. Sowas wäre in Deutschland undenkbar, außer vielleicht auf Dorffesten. Denn wenn man sich verabredet, dann möchte man eine bestimmte Person sehen und jemanden noch mitringen ist eher ungern gesehen.
Großzügigkeit und Gastfreundschaft wird in Frankreich und im Europäischen Ausland großgeschrieben. In Deutschland ist sie leider spärlich gesät. Wobei bei mir zuhause war es selbstverständlich, wenn ich Freunde mitgebracht habe, die zum Essen oder auch mal über Nacht geblieben sind. Es gab immer eine Zahnbürste und ein Pyjama extra für die. Oft kamen meine Freunde auch mal spontan mit in Urlaub zum Skifahren oder zum Segeln, da war es selbstverständlich, dass meine Eltern alles gezahlt haben. Da hat man danach auch nichts aufgerechnet. Genauso liebevoll haben mich die Eltern meiner Freunde aufgenommen, auch wenn es keine Ski Trip war. Das ist doch auch egal, Freundschaft hat mit Geld nichts zu tun.
Was mir immer mehr auffällt, dass es heutzutage eher die jüngere Generation ist, die Schwierigkeiten hat auf Leute zu zugehen und Freunde zu finden. Sie haben vielleicht jede Menge Freunde und Follower auf ihren Social-Media-Kanälen, aber echte Freunde zu finden, das geht nur im realen Leben. Und eine gute Freundschaft entwickelt sich mit der Zeit. Ich merke zwar auch, dass je älter ich werde die Freundschaften weniger werden bzw. weniger neue dazu kommen.
Ich hoffe, aber dass ich im Laufe meines weiteren Lebens noch auf viele Menschen treffen werde und bei denen sich noch eine wunderbare Freundschaft entwickeln kann. Denn die Neugier auf Menschen, anderen Kulturen wird sicher nie bei mir aufhören.

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