#lavieenfrance – Die Franzosen und die Liebe

Wenn man an die Franzosen und die Liebe denkt, dann denkt man automatisch an Paris, die Stadt der Liebe, die schicken Pariserinnen, dem galanten französischen Mann, der wie in einem kitschigen Liebesfilm unter deinem Fenster mit einem großen Strauß rote Rosen steht. In dem Zusammenhang fällt mir die Comicfigur Pepé Le Pew ein, das ist ein liebestolles, französisches Stinktier, das untersterblich in eine Katzendame verliebt ist, dass er irrtümlicherweise auch als Stinktier hält aufgrund ihres schwarz-weißen Felles. Leider hält Penelope (so heißt die Katzendame) so gar nichts von seinen hartnäckigen Eroberungsversuchen, die sie sich verzweifelt zu entziehen versucht. Der Comic bedient sich natürlich an sehr vielen Klischees, aber in jedem Klischee steckt immer ein Fünkchen Wahrheit drin. Und ein bisschen Pepé Le Pew steckt in jedem französischen Mann.

Die französischen Männer sind ganz klar Meister des romantischen Flirts, aber oft weiß man nie so genau, wie der offizielle Beziehungsstatus ist, wenn man sich auf ihn einlässt. Bei uns in Deutschland weiß man immer sehr genau, wo man geradesteht, aber in Frankreich ist es nie wirklich klar, ob man nun eine Freundschaft Plus Beziehung hat oder ob es auf etwas Festes hinausläuft.

Du erkennst es eigentlich erst, wenn du z.B. einen Kosenamen bekommst, oder du lernst seine Freunde kennen, die man zufällig auf der Straße oder im Café trifft (so zufällig ist aber nicht, wie es manchmal scheint) oder er eröffnet dir ganz plötzlich, dass wir jetzt seine Eltern treffen. Das ist mir passiert, mein damaliger Freund meinte ganz unerwartet „J’ai dit a mes parents que j’ai une copine allemande.“ Ich hatte mich zwar gefreut, aber ich fand das komisch, weil wir nie darüber geredet hatten.

In Deutschland hingegen spricht man über solche Sachen viel eher darüber, wobei ich manchmal auch das Gefühl habe, dass es bei uns oft zu schnell und auch zu sachlich von statten geht, die Deutschen wollen es halt immer genau wissen. Ich war schon immer der Meinung, dass man sich für die Liebe Zeit nehmen muss und nur weil man einen besonderen Flirt mit einem Mann hat und auch intimer geworden ist, heißt es ja nicht, dass es derjenige welche ist, den man auch heiraten muss.

Auch das die Deutschen in Beziehungen den Jahrestag feiern, den Tag wo sie zusammengekommen sind, ist glaube ich, in Frankreich gar nicht so wichtig. Also habe ich davon noch nie was mitbekommen. Oder vielleicht, auch weil ich selbst nie großen Wert darauflege, weil ich das oft selbst gar nicht weiß. Und wie soll man das auch in einer französischen Beziehung wissen, da ja der Status ja ganz lange oft unklar ist.

Und dann wiederum gibt’s Männer in Frankreich, da ist man zusammen, nur weil man sich 1 x geküsst hat. Da ist die Verwirrung bei mir echt noch größer, lieber bin da im Unklaren und spiele das Spiel des Flirts mit, dass ist sowieso viel aufregender. 1 x küssen und gleich zusammen sein, dass geht eigentlich nur im Kindergarten.

Was das Flirten angeht, da sind die französischen Männer etwas direkter. Einerseits fühle ich mich schon geschmeichelt, wenn fremde Männer mir Komplimente machen, andererseits mag ich es jetzt auch nicht, wenn ich irgendwo nur spazieren gehe und von der Seite doof angequatscht werde. Aber wenn der Rahmen stimmt, z.B. in der Bar oder in der Diskothek, wo ja flirten ausschließlich erlaubt ist, dann finde ich das gut. Die Deutschen Männer sind schon sehr vorsichtig und reserviert, fast schon ein bisschen langweilig, was das betrifft. Wobei die Sprüche der französischen Männer lassen, einen schon schmunzeln, mich zumindest. Aber einfach mal darauf eingehen, mal gucken was passiert. Wenn’s zu dolle wird, hat man als Frau immer das Recht zu sagen, bis hierhin und nicht weiter.

Was mir oft auch auffällt und auch von anderen Franzosen höre, dass die deutsche Frau sehr fordernd ist, also im Sinne von das die zu schnell ein Kommittent von der anderen Person fordert. Das liegt sicherlich daran, dass wir in Deutschland mehr Klarheit über den Status der Beziehung haben und daher auch früh wissen will, ob man gemeinsam Kinder bekommt, heiratet und ein Haus baut. Also, nicht sofort, aber ob das langfristige Dinge sind, die möglich sind. Ich denke, damit fördert man eher den Fluchtreflex bei Männern. Und das kann ich bei den Männern gut nachvollziehen, auch als Frau. Das gleiche Gefühl habe ich auch, wenn mir ständig ein Franzose „J t’aime“ ins Ohr säuselt und jeden Tag vor meiner Haustür steht und Geschenke macht. Alles schon passiert und das hat mir ein bisschen Angst gemacht, ich fühlte mich dadurch ein wenig in eine Ecke gedrängt.

Andererseits sind viele Franzosen sehr diskret über ihr Liebesleben oder auch Familienleben, ganz besonders bei der Arbeit. Weil sie immer Angst haben, dass die Information gegen sie verwendet werden kann, ganz besonders in großen Unternehmen, wo es auch viel Konkurrenz gibt. Warum auch immer, dass habe ich nie verstanden. Man darf schon etwas persönlicher werden unter Arbeitskollegen, man muss nur die Grenzen zwischen Kollegen und Freunde verstehen und einhalten.

Was das Fremdflirten angeht, das ist in Frankreich weniger ein Tabu als in Deutschland. Es ist jetzt zwar jetzt auch nicht normal seine Partnerin oder Partner zu betrügen, aber es ist akzeptierter bzw. die Leute haben ein weniger schlechtes Gewissen dabei, als wenn es bei den Deutschen passiert, wenn man mal fremdküsst oder so, man würde es dem Partner in Frankreich gar nicht erst sagen. Ich denke, dass die Franzosen sich viel schneller nach Alternativen umschauen, wenn die Partnerschaft nicht mehr so gut läuft. In Deutschland würde man eher eine Beziehung unglücklich aussitzen, als sich zu trennen.

Und zum letzten Punkt, ich habe noch nie so viele Liebesdramen gesehen, wie in Frankreich. Unglaublich wie viele Pärchen sich öffentlich streiten. Ich will jetzt gar nicht so ins Detail gehen, aber manche Dramen sind besser als jede amerikanische Soap-Opera, da fehlte nur noch das Popcorn, um das Ganze in Ruhe anzuschauen.

In diesem Sinne!

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