Der TT einer Reiterin

Schon mal eines vorweg, es handelt sich hierbei nicht um ein Auto. Die Bezeichnung TT bedeutet Turniertrottel und ist im Übrigen nicht abfällig gemeint. Es ist eher eine liebevoll gemeinte Bezeichnung für jemanden, der die Reiter mit Rat und Tat, viel mehr mit Tat, unterstützt. Ich kläre hiermit auf, was hinter diesem Fachbegriff steckt.

Gerät man als Nichtreiter in Reitkreise und man kommt mit Turnierreiter in Kontakt, kommt man nicht umhin, das Wort, beziehungsweise die Buchstaben „TT“ aufzuschnappen. TT, das steht für „Turniertrottel“, mit dem die Turnierreiter ihre Fans und Helfer bezeichnen.

Es gibt wohl kein Turnierreiter, der schon einmal ohne Turniertrottel auf ein Turnier gefahren ist, und oft haben Reiter auch mehrere davon, meistens sind es davon aber die Berufsreiter, die auch den Grand Prix reiten und so. Ein Turnier ohne einen TT ist aus der Sicht des Reiters kaum denkbar.

Der Job eines TT ist wahrlich keine Wochenendbeschäftigung und kein Zuckerschlecken, sondern eine Lebenseinstellung. Du musst mit Leib und Seele dabei sein, sonst bringt es auch keinen Spaß. Und Spaß ist eigentlich sehr viel dabei, abgesehen davon, dass du immer sehr früh aufstehen musst. Und das am Wochenende. Ich sag‘ dir, wenn du aber erstmal wach bist, ist es gar nicht so schlimm.

Am Anfang der Reitkarriere sind es die Eltern, die den Job als TT übernehmen. Also, liebe Eltern, wenn ihr eurem Kind ein Pony kauft, überlegt es euch gut, denn ihr habt auch viel Arbeit damit. Fängt schon damit an, dass ihr jedes Wochenende sehr früh aufstehen müsst, um euren kleinen Reit-Star zu den Turnieren zu fahren. Später kommen dann die besten Freunde zum Einsatz, die meisten selbst reiten, insofern ist das aber schon mal gut. Es sei denn man gehört zufällig zum Freundeskreis einer Reiterin, hat aber selbst nichts mit Pferden zu tun. Da beginnt die Karriere als TT meist mit einer simplen Frage:“ Du, ich habe da am Wochenende eine Prüfung und könnte deine Hilfe gebrauchen.“ Meistens sagst man zu, denn unter guten Freunden schlägt man nichts aus, wenn der andere Unterstützung braucht, außerdem hat man dich damit bereits geködert, dass es Kuchen und Kaffee auf dem Turnier gibt. Stutzig hättest du werden müssen bei der Aussage: „Ist gar nicht schlimm, nur eine Prüfung: Eine A-Dressur, geht morgens um halb 8 los.“

Halb 8, das bedeutet in Reiterdeutsch:

Heißt halb 7 da zu sein.

Heißt halb 6 loszufahren.

Heißt halb 5 aufzustehen

Spätesten jetzt ist dem TT ungefähr klar, auf was der sich eingelassen hat. Schon Samstag morgens um 4:30 Uhr geht das Drama los. Im Gegensatz zu dir ist der Reiter hellwach und fröhlich, aber manchmal auch in einem emotionalen bedenklichen Zustand. Denn vor einer Prüfung ist verständlicherweise jeder etwas angespannt.

Dein Dienst geht hiermit schon mal los, Kaffee und Croissants zu besorgen und mit einigen beruhigenden Worten.

Die allgemeinen Aufgaben eines TTs sind sehr vielfältig unterscheiden sich je nach den Ansprüchen des Reiters:

  1. Besser du kümmerst dich jetzt um alles organisatorische, für das der Reiter am Turniertag jetzt vor lauter Aufregung keine Nerven mehr hat.
  2. An alles zu denken, dass nichts vergessen wird, was man für den Tag so mitnehmen muss.
  3. Du musst dafür sorgen, dass es dem Pferd gut geht, ganz besonders, dass das Pferd sauber bleibt, aber auch mit Karotten und Heu zu versorgen
  4. Die Nerven des Reiters beruhigen, durch Zuspruch, Lob oder Schokolade.
  5. Du solltest gut mit der Handy Kamera umgehen können, denn du musst vom Pferd, vom Reiter, vom Reiter mit Pferd, von der Prüfung, von der Siegerehrung, von allem Fotos machen bzw. alles filmen.
  6. Halte immer die Zeit gut im Blick.
  7. Immer einen Blick auf die übrigen Starter haben, ihre Wertungen und somit auch das Ergebnis des Reiters im Blickfeld behalten.
  8. Begeisterung zeigen bei einer guten Prüfung und Platzierung und aufbauen/ auf die Richter schimpfen bei schlechter Wertung.

Vermutlich habe ich noch ein paar Dinge vergessen, aber diese Punkte geben schon einmal einen guten Überblick auf die Aufgaben eines TTs.

Wer kann sich als TT bewerben?

Das ist eine sehr wichtige Frage. Die meisten von uns sind da nicht so anspruchsvoll, sie nehmen, wer sich dazu bereit erklärt. Es gibt welche, die höhere Anforderungen haben. Und wehe, man macht einen Fehler. Dann kannst du dich auf eine schlechte Wertung gefasst machen. Also, ein gewisses Risiko ist für dich da. Trotzdem scheint der Job sehr begehrt zu sein, denn bei den Turnierreitern, die ich kenne, finden sich immer wieder neue TTs. Es ist auch sehr beliebt, den Freund als TT mitzunehmen. Da habe ich schon lustige Erlebnisse gehabt, wenn ich dem ahnungslosen Freund zugesehen habe, wie er verzweifelt versucht, den Anweisungen der Reiterin Folge zu leisten.

Unterschätze die Leistung eines TT nicht

Interessant finde ich immer noch, dass sich stets so viele TTs finden, selbst wenn sie meistens nur im Schatten stehen, die ganze Arbeit erledigen und schließlich mehr geleistet haben als der Turnierreiter selbst. Und doch bekommen sie am Ende des Tages nichts, während für die Reiter eine Schleife, ein Pokal, Sachpreise oder zumindest eine lehrreiche Erfahrung herauskommt. Bei mir werden selbstverständlich, mein fleißiges Helferlein zumindest mit einer ordentlichen Mahlzeit belohnt oder bekommen eine andere Kleinigkeit als Dankeschön. Eine kleine Aufmerksamkeit ist wichtig, welche meinen Turniertrottel freundlich stimmt und den davon überzeugt, diesen Wahnsinn auch wieder mitzumachen.

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