So ticken die Franzosen oder „Le Fettnapfchen“ à la Nicki

„Leben wie Gott in Frankreich“ – wer kennt diesen Spruch nicht. Heißt das jetzt, der liebe Gott, trägt Baskenmütze, Ringelshirts, spielt Boule, isst den ganzen Tag Baguette und trinkt Rotwein?

Es gibt wohl über kein anderes Volk so viele Klischees wie über die Franzosen. Wird Zeit, dass da mal aufgeräumt wird.

Daher verrate ich euch einige Stolperfallen, die euch beim Aufeinandertreffen der Kulturen eventuell erwarten könnten. Da ich schon als Kind viel nach Frankreich gereist bin und auch schon selbst in Paris und Südfrankreich gelebt und gearbeitet habe, würde ich behaupten, dass ich die Franzosen ganz gut kennengelernt und in mein Herz geschlossen habe.

DIE FRANZOSEN SPRECHEN KEINE FREMDSPRACHEN

Die Franzosen sprechen nur französisch, das ist so ein typisches Klischee , alle denken dass die Bewohner dieser Grand Nation sich weigern Fremdsprachen zu sprechen. Das stimmt so nicht. Das liegt bzw. lag wohl eher am Schulsystem, in Frankreich wurde lange nicht darauf geachtet eine weitere Fremdsprache zu erlernen. Und wenn, dann haben die eh lieber Spanisch gewählt, weil diese einfach leichter zu erlernen ist.

Als ich in Paris in einem Hotel gearbeitet habe, habe ich sogar einen Gehaltsaufschlag erhalten, weil ich eine selten gesprochene Sprache spreche.

LA GRANDE NATION

Ein anderes Klischee, die Franzosen halten Sie sich für die Größten, für was Besseres. Ganz im Gegenteil, keine andere Nation lebt den europäischen Gedanken so wie der Franzose oder die Französinnen. Vielleicht denkt die ältere Generation noch an die gute, alte „La Grande Nation“, denn immerhin war Frankreich eine bedeutende Macht in Europa und der Welt. Aber das ist nur eine Minderheit und die passen wahrscheinlich alle in ein Asterix & Obelix Dorf irgendwo in der Provinz. Die jüngeren Generationen denken schon lange modern.

SAVIOR-VIVRE

Ein weiteres typisches Klischee ist das „Savoir-Vivre“. Viele denken, dass die Franzosen so in den Tag hineinleben und wissen, wie man das Leben genießt. Wer das glaubt, hat noch nie in Paris gelebt, die Stadt ist sehr schnelllebig und die Leute sind es dadurch auch – unglaublich hektisch und fahrig. Ganz besonders die Pariser leben definitiv kein happy-hyggeliges Leben, die feiern eher von Zeit zu Zeit ihre Melancholie.

BEGRÜSSUNG

Die Begrüßungs-Küsschen sind typisch Französisch. Dabei unterscheidet sich das vom Begrüßungsritual in der Schweiz und in Luxemburg. In Frankreich gibt’s da eine einfache Regel: 1 Küsschen für die, die man nicht so gut kennt, 2 Küsschen (1 links, 1 rechts) für alle anderen und für Familie und sehr gute Freunde, die man sehr gern hat, jeweils 3 Küsschen. Ich finde ja trotzdem, das man da schon mal ein bisschen durcheinander kommen kann.

PETIT-DÉJEUNER

Wie startet ein typischer Tag bei den Franzosen? Obwohl die Franzosen gutes und vieles Essen feiern, fällt das Frühstück relativ schmal aus, wenn überhaupt, dann besteht es aus Croissants, Baguette, Marmelade und Café au Lait. Und für die Kinder gibt’s meist Cereal oder Cornflakes mit Milch. Herzhaftes gibt’s bei denen gar nicht.

TYPISCHE FRANZÖSISCHE SPEZIALITÄTEN

Croissant und Baguette – das ist das Lieblingsbrot der Franzosen. Im Übrigen wurde früher das Brot in Form einer „Boule“ (Kugel) gebacken, daher auch das Wort ‚Boulangerie‘ für Bäckereien. Das längliche Baguette kam erst sehr viele später, im 20. Jahrhundert, auf.

Käse – In Frankreich gibt es unglaubliche 400 verschiedene Käsesorten, die aus Kuh-, Schafs- oder Ziegenmilch hergestellt werden, die wie beim Wein einer strengen Klassifizierung unterliegen. Ich frage mich, ob die Franzosen selbst alle Sorten kennen.

Überhaupt hat jede Region in Frankreich ihre typischen Spezialitäten. Wie z.B. das Elsass berühmt für seinen Flammkuchen und Gugelhupf ist, Lothringen für die Quiche Lorraine, die Bretagne für Crêpes, Meeresfrüchte und Far Breton (Butterkuchen), die Provence für die Bouillabaisse, Ratatouille und Créme Brûlée mit Lavendelblüten, usw.   

Und dass alle Franzosen Froschschenkel essen, ist auch so ein Klischee. Ehrlich gesagt habe ich noch nie in einem Restaurant auf eine Speisekarte Froschschenkel gesehen. Alleine schon der Gedanke so einen glitschigen Frosch zu essen, da wird mir schon ganz anders. Und ich glaube das geht der jüngeren Generation in Frankreich ähnlich. Tatsächlich sind die amerikanischen Fastfoodketten wie McDonald’s und Starbucks in keinem anderen europäischen Land so erfolgreich wie in Frankreich.

WENN DU BEI FRANZOSEN ZUHAUSE EINGELADEN BIST

Wenn du zu Gast bei den Franzosen bist, dann musst du folgendes wissen: Die Franzosen lieben Dinnerpartys. Wenn du zu einer eingeladen bist, dann stelle dich darauf ein, dass das ein sehr langer Abend werden kann. Ganz besonders, wenn es sich um die feinere Variante handelt. Ein Tipp von mir, gehe nie hungrig dort hin, denn es kann etwas dauern, bis du was zu essen bekommst. Und falls du es nicht geschafft hast, vorher etwas zu essen, dann bitte den Gastgeber dir ein paar Eiswürfel in den Champagner zu tun, ansonsten steigt dir das Getränk arg zu Kopf und du bist schon vor der Vorspeise ziemlich beschwipst.

Zum Ablauf des Abends: Dieser startet erst mit der Begrüßung und Champagner, danach folgt ein klassisches Privatkonzert oder einer Lesung. Das Menu beginnt dann mit einem Hors-d’oeuvre, dann eine kalte oder warme Vorspeise, Hauptgang, Käse, dann Dessert. Währenddessen führt man anregende Gespräche, was das Abendessen natürlich sehr in die Länge zieht. Wenn die Gespräche allerdings später zu philosophisch werden, dann bin ich raus. Dazu reichen meine Sprachkenntnisse nicht mehr aus und so spät am Abend sowieso nicht mehr. Zeit sich für den schönen Abend zu bedanken und zu gehen.

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