Spätsommer im hohen Norden

(ARCHIV-Artikel 20. Juli 2021)

Wenn sich der Hochsommer in Schweden dem Ende neigt, dann ist es Zeit für mein Lieblingsfest, das alljährliche Krebsfest (auf Schwedisch: Kräftskiva). Nach Mittsommer, das wohl landestypische aller schwedischen Feste. Es ist ein fröhliches Fest bei den Lampions und Girlanden aufgehängt werden, der Tisch wird hübsch dekoriert und man setzt sich lustige Papierhütchen auf und hängt sich Kleckerlätzchen mit Krebsmotiven um. Und man singt jede Menge fröhliche Trinklieder und viel Hochprozentiges, wie Aquavit, und gekühltes Bier ist da auch im Spiel. So ein Krebs muss ja schließlich schwimmen. Gefeiert wird am liebsten unterm freien Himmel, denn die Schweden sind sehr naturverbunden und lieben es draußen zu sein.

Das Krebsfest ist einer meiner liebsten Feste in Schweden, weil es so gesellig ist. Man lädt Freunde und Familie ein und sitzt draußen bei herrlichen Sommerwetter zusammen und hat Spaß bei gutem Essen.

Woher kommt die Tradition?

Das Fest war Anfang des 19. Jahrhunderts noch ein Fest für die Oberschicht vorbehalten, das sich aber dann schnell in alle Bevölkerungsschichten durchsetzt. Da dann auf einmal alle im Land dieses Fest feierten und Krebse aßen, führte das zu einer massiven Dezimierung der einheimischen Flusskrebse, daraufhin wurde ein Fangverbot eingeführt. Nur in der Zeit von Anfang August bis Oktober wurde das Fangen der Flusskrebse erlaubt.

Mittlerweile kauft man die Süßwasserkrebse im Supermarkt, die aus allerlei Länder importiert werden. Der einheimische Flusskrebs gilt aber dennoch als besondere Delikatesse. Dieser ist allerdings sehr viel teurer.

Zubereitung der Flusskrebse

Wer keine Supermarkt-Flusskrebse möchte, der muss früh aufstehen bzw. geht gar nicht gar nicht erst ins Bett. Denn die Flusskrebse sind Nachtaktive Tiere. Da werden dann in der Abenddämmerung die Reusen ausgelegt und am nächsten Morgen sieht man, ob man Glück hattet und was gefangen hat. Wenn der Fang erfolgreich war, dann werden die Flusskrebse in einem einfachen Sud von Salz, Zucker und viel Bier zubereitet. Bitte wirft die Flusskrebse nicht lebend ins heißes Wasser, das ist extrem schmerzhaft für die Krebse. Mit einem gezielten Stich in die Ganglien sind diese sofort tot und ihr könnt die dann kopfüber in den heißen Sud werfen und dort werden die dann solange gekocht bis sie krebsrot sind.

Da ja jetzt nicht so viel Essbares an den Krebsen dran ist, wird daher als Beilage noch meist Knäckebrot, Baguette, würzigen Käse und eine Käse-Quiche mit Pfifferlingen serviert. Und irgendwie braucht man ja auch eine solide Grundlage für den ganzen Alkohol, den man an dem Abend zu sich nimmt.

Und wie isst man die kleinen Krebse richtig?

Zum Öffnen der Krebse liegt immer spezielles Besteck bereit. Ganz ehrlich, ich habe es noch nie benutzt. Um einen Krebs richtig zu essen, brichst du zuerst die Scheren ab, das Fleisch heraus pulen, den Oberkörper ausschlürfen, dass meiste Fleisch befindet sich im Schwanz des Krebses, mit ein paar geübten Griffen drückt man den Panzer zusammen bis es knackt, dann lässt es sich leicht aufbiegen – ich sage euch ein Krebsessen ist keine „Fine Dining“ – Veranstaltung, wem das zu peinlich oder zu komisch ist, der ist auch nicht ganz bei der Sache.

Als routinierter Krebsesser drapierst du dann die leeren Gehäuse sauber im Kreis auf deinem Teller. Und nicht vergessen, neben Krebs pulen, essen, fröhlich sein, auch viel Aquavit trinken und schwedische Trinklieder singen, auch wenn man zum Teil gar nicht weiß, was man da singt, da die Lieder natürlich auf Schwedisch sind.

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